»… so dass am Schluss in den ganzen Saal von allen Seiten Musik strömt.«
Der Raumklang in Arnold Schönbergs Jakobsleiter
DOI:
https://doi.org/10.70482/jasc.2018.15.83-102Schlagworte:
Raumklang, Gustav Mahler, Richard Wagner, Heinrich Schütz, OratoriumAbstract
Der Artikel untersucht Arnold Schönbergs Konzept des Raumklangs in seinem zwischen 1915 und 1922 entstandenen, unvollendeten Oratorium Die Jakobsleiter. Im Zentrum steht die innovative Verwendung von Hoch- und Fernorchestern, welche den Klang im Saal multiperspektivisch verteilen und somit die mystische Vision eines richtungslosen Himmelsraums musikalisch umsetzen. Schönbergs Anordnung der Klangkörper – inspiriert von Gustav Mahlers 8. Symphonie und möglicherweise auch von Richard Wagners „Parsifal” – zielt darauf ab, eine Verbindung zwischen irdischer und himmlischer Sphäre herzustellen, wie sie im biblischen Bild der Jakobsleiter angelegt ist. Der Artikel zeigt, wie Schönbergs Raumklanggestaltung nicht nur technisch, sondern auch thematisch mit der Idee des stufenweisen Aufstiegs der Seele zu Gott korrespondiert. Darüber hinaus werden historische Traditionslinien der Mehrchörigkeit und Raumklangkonzepte von Komponisten wie Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach aufgezeigt, die als mögliche Inspirationsquellen für Schönbergs Werk dienen könnten.
